Natur erleben und gleichzeitig Wildtiere schützen
Bad Wildbad, Juli 2026. Wer an Wildtierschutz denkt, denkt oft an seltene Arten oder ausgewiesene Schutzgebiete. Doch Wildtierschutz beginnt mit etwas ganz Einfachem: dem Wanderweg, den man nicht verlässt.
Immer mehr Menschen suchen Erholung in der Natur. Wandern, Mountainbiken, Pilze sammeln oder Naturfotografie erfreuen sich großer Beliebtheit. Was für Menschen Freizeit und Abenteuer bedeutet, kann für Wildtiere Stress, Energieverlust oder die Verdrängung aus ihren Lebensräumen bedeuten. Die zentrale Frage lautet daher: Wie können wir die Natur genießen, ohne die Tiere zu stören, die dort ihr Wohnzimmer haben?
Mit dieser Frage beschäftigten sich die Partnerinnen und Partner der Initiative bewusstWild bei ihrem diesjährigen Partner-Workshop auf dem Sommerberg in Bad Wildbad. Vertreterinnen und Vertreter aus Tourismus, Naturschutz, Umweltbildung und Jagd kamen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, gemeinsame Ziele weiterzuentwickeln und neue Impulse für die zukünftige Zusammenarbeit zu setzen.
Im Mittelpunkt standen dabei die Herausforderungen, die mit einer zunehmenden Nutzung der Natur als Erholungsraum verbunden sind. Gemeinsam diskutierten die Teilnehmenden, wie Menschen noch besser für die Bedürfnisse von Wildtieren sensibilisiert und vorhandene Informationen zielgerichtet vermittelt werden können. Dabei wurde deutlich, dass ein respektvoller Umgang mit der Natur oft weniger an fehlendem Willen als vielmehr an fehlendem Wissen scheitert.
„Es ist leider keine Selbstverständlichkeit, dass man sich in der Natur verantwortungsvoll verhält. Sensibilisierung, wie bewusstWild das macht, ist wichtig und super geeignet“, erklärte Renate Fischer vom Infozentrum Kaltenbronn. Genau hier setzt die Initiative an: Sie vermittelt Wissen über Wildtiere und zeigt auf, wie sich Naturerlebnisse und Wildtierschutz miteinander vereinbaren lassen.
Dass dies gelingen kann, zeigt ausgerechnet ein Ort, an dem jährlich rund eine halbe Million Menschen unterwegs sind. In Bad Wildbad wurde in den vergangenen Jahren gezielt daran gearbeitet, Erholungsangebote und Rückzugsräume für Wildtiere gleichermaßen zu schaffen. Besucherinnen und Besucher finden attraktive Angebote wie den Baumwipfelpfad, die WildLine oder gut ausgebaute Wanderwege. Gleichzeitig wurden Bereiche definiert, in denen der Naturschutz im Vordergrund steht und in denen Wildtiere möglichst ungestört leben können.
Bei einer Exkursion erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die dortige Besucherlenkung sowie in Waldabschnitte, die als wichtige Rückzugsräume für Rotwild und viele weitere Arten dienen. Erkenntnisse aus der Wildtierforschung zeigen, dass insbesondere unvorhersehbare Störungen Wildtiere belasten. Umso wichtiger sind Bereiche, in denen sie Ruhe finden und ihrem natürlichen Verhalten nachgehen können.
Der Blick der Workshop-Teilnehmenden richtete sich dabei nicht nur auf aktuelle Herausforderungen, sondern vor allem auf die Zukunft. In einer gemeinsamen Vision für das Jahr 2031 zeichneten sie das Bild eines Baden-Württembergs, in dem Wildtiere bei Freizeit- und Tourismusangeboten selbstverständlich mitgedacht werden. Ein Land, in dem Naturerlebnis und Wildtierschutz nicht als Gegensätze verstanden werden, sondern als gemeinsame Aufgabe.
Die Botschaft des Workshops ist daher ebenso einfach wie aktuell: Die Natur gehört uns nicht allein. Wer draußen unterwegs ist, bewegt sich im Lebensraum vieler Tiere. Mit etwas Rücksicht kann es gelingen, dass Menschen die Natur genießen und Wildtiere weiterhin einen Lebensraum in ihr finden.