Ein Sonnenaufgang über dem Waldrand, eine Gruppe Rehe auf der Lichtung, der Blick von oben auf einen glitzernden See: Naturfotografie boomt, und mit ihr die Zahl der Drohnen, die über Wiesen und Wälder fliegen. Was aus der Vogelperspektive spektakuläre Bilder liefert, sieht aus Sicht der Wildtiere oft ganz anders aus.
Was beim Fotografieren oft übersehen wird: Für viele Wildtiere ist eine Drohne nichts anderes als ein unbekanntes, surrendes Flugobjekt und wird instinktiv als Bedrohung wahrgenommen, ähnlich wie ein Greifvogel. Studien zeigen, dass allein das Geräusch und der Schatten einer Drohne den Puls von Tieren erheblich in die Höhe treiben können, selbst wenn sie in respektvollem Abstand fliegt. Rehe und Hirsche flüchten, Vögel verlassen ihre Nester, Gelege verwaisen. Gerade in der Brut- und Aufzuchtzeit kann das fatale Folgen haben, weil Jungtiere ungeschützt zurückbleiben.
Auch mit der Kamera am Boden lässt sich viel falsch machen: Wer für das perfekte Foto zu nah herangeht, ein Tier gezielt aufscheucht, um es „in Bewegung“ abzulichten, oder minutenlang an einem Nest oder Bau ausharrt, stört manchmal mehr, als es auf den ersten Blick scheint. Selbst wenn das Fotomotiv-Tier ungestört bleibt, kann die menschliche Anwesenheit andere Wildtiere beunruhigen, die sich in der Nähe aufhalten.
Ein paar einfache Grundsätze helfen, Naturfotografie rücksichtsvoll zu gestalten:
- Auf Zoom statt auf Nähe setzen, um Tiere nicht zum Ausweichen zu zwingen
- Zeichen von Unruhe beim Tier (Kopfheben, Anspannung, Fluchtbereitschaft) sofort als Stoppsignal verstehen
- Nester, Höhlen und Baue nicht dauerhaft belagern und die umgebende Natur als Wildtierlebensraum respektieren.
- Auch beim Fotografieren möglichst auf Wegen bleiben
- Sich über Wildruhegebiete oder sensible Brutplätze informieren und dort auf Drohnenflüge verzichten. Start- und Landeplatz mit Bedacht wählen.
- Lokale Regelungen zu Drohnenflügen vorab prüfen. In Naturschutzgebieten sind Drohnenflüge fast immer verboten.
Ein gutes Bild lebt von Geduld, nicht von Nähe um jeden Preis. Wer Wildtieren ihren Freiraum lässt, bekommt am Ende oft die authentischeren Momente.